Kultur - Bulgarien
Bulgarien ist reich an historischer Architektur und Kunst. Von der Thrakern wurden im Land mehrere künstlerische und architektonische Meisterwerke und Grabanlagen gefunden, die das hohe kulturelle Niveau der frühen Siedler beweisen. Die thrakische Kunst, die einen langen und komplizierten Entwicklungsweg am Anfang der späten Bronzezeit bis zum Ende der Antike hinter sich hatte, hinterließ bemerkenswerte Schätze, Grabstätten, Gotteshäuser, heilige Stätten, Städte. Beeindruckend ist die Pracht der thrakischen Schätze, wie der Goldschatz von Panagjurischte, der Schatz von Rogozen, der Goldschatz von Waltschitran, der Silberschatz von Borowo, der Goldschatz von Wratza und andere. Unter den bevorzugten Objekten für kulturellen Tourismus zählen die Grabstätten von Kazanlak und Sweschtari, die auf der Liste des Weltkulturerbes unter dem Schutz von UNESCO stehen.
Ab dem 7. Jahrhundert v.Chr. entstanden erste griechische Städte im heutigen Bulgarien. Die Siedlungen der Griechen am Schwarzen Meer haben bis heute überdauert. Die Eroberung des Landes durch die Römer und später durch die Türken war von einer beachtlichen Bautätigkeit begleitet. Beeindruckend sind das Theater von Plovdiv und das Rila Kloster.
Die Musik ist Teil der kulturellen Identität der Bulgaren. Vor allem während der 500-jährigen Türkenherrschaft fungierten die Volkslieder als eine bedeutsame Instanz, die sowohl als kollektives Gedächtnis diente als auch Ängste, Hoffnungen und Alltagserleben der einfachen Leute zum Ausdruck brachte.
Bulgarische Küche
Die bulgarische Küche ist von der griechischen und der türkischen Küche beeinflusst, hat sich aber einen eigenständigen Charakter bewahrt. Typisch für die bulgarische Küche ist die vielseitige Verwendung von Gemüse und Obst. Auch bulgarischer Käse und der bulgarische Joghurt sind weit über die Grenzen Bulgariens bekannt.
Das typische Mittagessen beginnt mit einem gemischten Salat, z.B. ein Schopska-Salat mit Zwiebeln und Schafkäse oder einer kalten Gurkensuppe, die Tarator mit Dill, Walnüsse und Knoblauch bzw. Losowi Sarmi oder Piperki (gefüllte Weinblätter oder Paprikaschoten mit Hackfleisch, Reis und Schafkäse).
Giuvetsch (im Topf gebackenes Gemüse mit Fleisch und Kartoffeln), Kavarma (Hammel- oder Schweinsgulasch mit Gemüse und Tomatenmark im Tontopf serviert) und Kebaptsche (Hackfleischröllchen vom Grill) gehören u.a. zu den Hauptgängen der bulgarischen Küche. Als Nachtisch sollte man Baklava (ein süßer Blätterteig mit Honig oder anderen Füllungen) probieren.
In den letzten Jahren haben die bulgarischen Weine nicht nur ihren Weg in die Regale der Kaufhäuser gefunden, sondern auch zu den Herzen der Leute. Die am meisten bekannten bulgarischen Marken, Cabernet Sauvignon und Merlot, werden aus Weintrauben von verschiedenen Lagen Bulgariens gekeltert. Allerdings gibt es auf dem bulgarischen Markt eine weitaus größere Vielfalt, sowohl beim Angebot als auch bei den Geschmacksnuancen. Neben der reichen Auswahl von Weinen gibt es in Bulgarien einheimische, gebrannte Schnäpse, Rakija genannt.
Weltkulturerbe
Kirche von Bojana (Sofia) (K/1979)
Die Kirche von Bojana ist eine mittelalterliche bulgarisch-orthodoxe Kirche in einem Außenbezirk von Sofia. Der Gebäudekomplex umfasst drei Bauwerke aus dem 10., dem 13. und dem 19. Jahrhundert. Weltweit bekannt wurde die Kirche wegen ihren Freskos von 1259. Sie liegen als zweite Schicht über Malereien von noch älterem Ursprung und repräsentieren eines der am komplettesten und am besten erhaltenen Beispiele mittelalterlicher osteuropäischer Kunst. Der Maler ist unbekannt.
1979 wurde die Kirche in die UNESCO-Welterbe-Liste aufgenommen.
Felsenrelief des Reiters von Madara (K/1979)
Das mittelalterliche Steinrelief befindet sich 1,5 km vom Dorf Madara entfernt. Es ist auf einer Höhe von 23 m im Felsen gehauen. Das Relief ist eine Komposition, in deren Mitte ein Reiter dargestellt ist. Er sticht mit einem Speer den zu den Füssen des Pferdes liegenden Löwen durch. Der Reiter wird von einem laufenden Hund gefolgt.
Das Wetter und die Erosion haben die Überschriften beschädigt, aber das, was vom Text geblieben ist, gibt ein klares Bild von dem Inhalt der Reliefkomposition. Die Überschriften sind in Griechisch, aber sie widerspiegeln das Selbstbewusstsein und die Macht des jungen bulgarischen Staates, der auf den Balkanen dominierte.
1979 wurde das Felsenrelief in die UNESCO-Welterbe-Liste aufgenommen.
Felskirchen von Ivanovo (K/1979)
Die Felskirchen wurden zwischen dem 13. und dem 17. Jahrhundert in die Flanke eines Steilfelsens der Berge am Ufer des Flusses Rusenski Lom geschlagen. Ab dem Ende des 12. Jahrhunderts bewohnten Eremiten die Höhlen der Berge und formten dabei einzelne Kammern aus dem weichen Kalkstein. Der Eremit Yoakim begründete aus den vereinzelten Kammern das Kloster Erzengel Michael, in dem die einzelnen Räume teils auch durch Gänge miteinander verbunden wurden. Die Errichtung dieses Klosters wurde unter anderem durch den bulgarischen Zaren gefördert und war bald auch Ziel der herausragendsten zeitgenössischen Künstler Bulgariens, der Schule von Tarnovo. In sechs Kirchen und Kapellen des Komplexes sind heute noch Fresken des 13. und 14. Jahrhunderts erhalten.
1979 wurden die Felskirchen in die UNESCO-Welterbe-Liste aufgenommen.
Thrakergrab von Kazanlak (K/1979)
Das thrakische Grabmal wurde zufällig unter einem großen Hügel im Jahr 1944 in Kazanlak gefunden. Die Kammer mit einer bienenstockförmigen Kuppel ist 3,25 m hoch und hat einen Durchmesser von 2,65 m. Die Grabstätte wurde aus Ziegelsteinen gebaut und an der äußeren Seite mit Steinen bedeckt. Die Einzigartigkeit der thrakischen Grabstätte besteht vor allem in den Wandmalereien vom Ende des 4. und Anfang des 3. Jahrhunderts v. Chr. Sie befinden sich an den Wänden der Kammer und des Korridors auf einer Fläche von 40 m2. Nach ihrer Entdeckung wurde um die Grabstätte ein spezielles Schutzgebäude mit Klimaanlage, die die Erhaltung der Wandmalerei ermöglicht, aufgebaut. In der Nähe wurde zudem die Grabstätte im Original nachgebaut um den Touristen die Möglichkeit zu bieten dieses UNESCO- Weltkulturerbe kennen zu lernen.
Altstadt von Nessebar (K/1983)
Die Altstadt von Nessebar hat eine langjährige Geschichte und wurde auf einer Felseninsel gegründet, die mit dem Land durch eine Landenge verbunden ist. Hier sind wertvolle historische Denkmäler aus verschiedenen Epochen erhalten, wie die Überreste aus Burgmauern aus der Römerzeit und aus dem Mittelalter, alte byzantinische und bulgarische Kirchen, Häuser aus der Zeit der Wiedergeburt (18. und 19 Jahrhundert). Der größte historische Wert von Nessebar sind die zahlreichen Kirchen.
Nessebar ist ein historischer Staatsschatz von Bulgarien und wurde 1956 für Museumsstadt und für Archäologie- und Architekturschutzgebiet erklärt.
1983 wurde die Altstadt von Nessebar in die UNESCO-Welterbe-Liste aufgenommen.
Biosphärenreservat Srebarna (N/1983)
Das Biosphärenreservat umfasst den See Srebarna und seine Umgebung. Es befindet sich neben dem Dorf Srebarna, 15 km westlich der Stadt Silistra. Im Reservat sind mehrere Pflanzenarten, Säugetiere, Echsen und Schlangen und Fischarten zu finden. Srebarna ist der ideale Ort für Vogelliebhaber. Hier leben über 100 Arten von Wasservögeln, wie z.B. Pelikan, kleiner Kormoran, Schwan, Bartmeise, Ibis, Reiher, Löffler, Wildente, Wildgans und andere. Das Biosphärenreservat ist in der Konvention für geschützte Zonen von internationaler Bedeutung und in der UNESCO Liste für weltweites Natur- und Kulturerbe vermerkt.
Nationalpark Pirin (N/1983)
Der Nationalpark Pirin liegt im südwestlichen Teil Bulgariens. Er umfasst die höchsten Teile des Pirin Gebirges mit einer größeren Zahl an Gipfeln, die in einer Höhe von über 2.500 m liegen. Dank dem mediterranen Klima bietet der Nationalpark für die Besucher eine wunderschöne Landschaft. Die Region verfügt über mehr als 130 Bergseen.
Eine Besonderheit des Parks ist das Edelweiß. Auch die Tierwelt zeichnet sich durch eine Vielfalt aus. Die Hauptbewohner sind Hirsche, Adler, Falken, Wildschweine, Fasane und viele andere. Der Nationalpark wurde 1983 in die UNESCO Liste für Weltnaturerbe aufgenommen.
Kloster Rila (K/1983)
Das monumentalste und imposanteste Denkmal befindet sich im nordwestlichen Teil von Rila. Mit seiner Größe, Architektur, Wandmalerei, Geschichte, seiner schönen Natur und mit der schönen Aussicht zu den nahen Gipfeln ist das Kloster zweifellos die größte touristische Attraktion unter den Klöstern in Bulgarien.
Das Kloster wurde im 10. Jahrhundert von dem bekannten bulgarischen Einsiedler Ivan Rilski gegründet. An der heutigen Stelle wurde es im 14. Jahrhundert gebaut. An den Wänden der Kapelle sind Fragmente aus alter Wandmalerei erhalten. In der Kirche gibt es viele wertvolle Ikonen, die zwischen dem 14. und 19. Jh. gemalt wurden. Eine außerordentliche Sehenswürdigkeit ist der geschnitzte Ikonenstab, der 5 Jahre lang von vier Holzschnitzern gefertigt wurde. Das Rila Kloster ist ein nationales historisches Denkmal seit 1976. 1983 wurde das Kloster in die UNESCO-Welterbe-Liste aufgenommen.
Thrakergrab von Sweschtari (K/1985)
Das Thrakergrab von Sweschtari befindet sich 2,5 km südwestlich des Dorfes Sweschtari und 42 km nordöstlich von Razgrad im Nordosten Bulgariens. Das Grab aus dem 3. Jahrhundert v.Chr. wurde erst 1982 entdeckt. Besonders einzigartig sind die halb menschlichen, halb pflanzlichen Karyatiden.
Die Thraker glaubten an ein Leben nach dem Tod. Deshalb bauten sie für Ihre Toten Häuser. Damit sie nicht so leicht gefunden und geplündert werden konnten, wurden diese Gräber unter einem Hügel versteckt. So kam es, dass das Grab erst 1982 in der Nähe der kleinen Stadt Sweschtari unter einem 11 Meter hohen Erdhügel gefunden wurde. Die Räume sind mit Gemälden und Skulpturen verziert. Das Thrakergrab von Sweschtari gehört seit 1985 zum UNESCO-Welterbe.
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